Neues Beisitzerteam als zukünftige Ateilungsleitung

Einen Wechsel wird es an der Spitze der Erdinger Eishackler geben. TSV-Abteilungsleiter Rainier Sabus und sein Team werden bei den kommenden Wahlen nicht mehr antreten.

Die Frage ist nur, wann diese stattfinden können, denn die Corona-Pandemie erlaubt (noch) keine öffentlichen Versammlungen. Nun aber ist eine vorübergehende Lösung gefunden: Ein potenzielles Nachfolger-Team um Michael Westphal und Christian Fragner ist mit sofortiger Wirkung als Beisitzer in die Abteilungsleitung mit aufgenommen worden.

Herr Sabus, warum treten Sie mit Ihrem Team nicht mehr an?
Rainer Sabus: Das zieht sich schon seit zwei Jahren hin. Als wir vor sechs Jahren nach dem Desaster der Oberliga-Ära das Amt übernommen haben, ging es vorrangig darum, das Eishockey in Erding zu erhalten und zu sanieren. Damals war das Vertrauen des Hauptvereins in die Abteilung ziemlich angegriffen. Eine Zeitlang wurde sogar über die Auflösung der Abteilung diskutiert. Mit dem Schuldenabbau war dieses Ziel schon vor zwei Jahren erreicht, und nur aufgrund eines fehlenden qualifizierten Nachfolgeteams haben wir 2019 nochmal verlängert. Nachdem mittlerweile auch der Hallenumbau größtenteils überstanden ist und auch die Corona-Krise hoffentlich bis Herbst soweit im Griff ist, dass es wieder einen geordneten Spielbetrieb geben kann, ist genau jetzt die richtige Zeit, die Leitung der Abteilung in andere Hände zu legen.

Wie sieht Ihre persönliche Erfolgsbilanz aus?
Sabus: Da steht bei mir ganz hoch im Kurs, dass es die Abteilung immer noch gibt – und das im doppelten Sinne. Wer hätte denn letztes Jahr um diese Zeit an so eine verrückte Saison geglaubt? Coronabedingt sind wir zwar finanziell gerupft worden, aber es gibt die Abteilung noch, und wir werden im Herbst wieder in eine neue Bayernliga-Saison einsteigen können. In so einer Zeit wird man demütig. Natürlich könnte ich noch die erfolgreiche Umsetzung unseres Sanierungskonzepts mit der Tilgung der Oberliga-Schulden von rund 130 000 Euro, den Hallenumbau mit den technischen Grundlagen für eine digitale Zukunft, die Verpflichtung eines hauptamtlichen Nachwuchstrainers oder aber auch kleinere Projekte wie die Neuausstattung des Kraftraums, Trikotausstattung für alle Mannschaften oder Bildung einer Rücklage von etwa 50 000 Euro bis zu Beginn der Corona-Saison aufführen. Aber in so einer schweren Zeit gilt eigentlich nur, dass wir auch nächstes Jahr noch Eishockey in Erding haben werden.

Was war Ihr persönliches Highlight in den vergangenen sechs Jahren?
Sabus: Das war ganz klar das Playoff-Finale in unserer ersten Saison gegen Passau in Erding und der damit verbundene Aufstieg aus der Landes- in die Bayernliga. Diese Stimmung im Stadion habe ich so nicht wieder erlebt, und es hat bei all der Unsicherheit gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Und was war die größte Enttäuschung?
Sabus: Zu sehen, wie egoistisch und selbstsüchtig manche dem Verein gegenüberstehen. Es wird viel Zeit, Arbeit und auch Geld von sehr vielen ehrenamtlichen Helfern, und dazu zähle ich alle, von den Eltern der Nachwuchsspieler bis hin zu den Sponsoren, in den Verein gesteckt. Und dann gibt es immer wieder welche, die den Verein als Selbstbedienungstheke für die eigenen Interessen betrachten.

Neuwahlen sind so schnell nicht möglich. Wie soll der Übergang laufen?
Sabus: Die Saison 2020/21 ist ja de facto mit dem aktuellen Lockdown beendet. Also muss man sich jetzt schon auf die neue Saison konzentrieren, das heißt, die großen Entscheidungen, die momentan anstehen, zielen schon auf die neue Saison ab. Wir als Abteilungsleitung können aber unsere Nachfolger nicht einfach so bestimmen. Das ist gemäß der Satzung die Aufgabe der Abteilungsversammlung. Coronabedingt können wir aber momentan keine einberufen, und bis Versammlungen mit mehr als 100 Personen wieder möglich sein werden, kann es schon wieder Herbst oder gar Frühjahr 2022 sein. Bis dahin bleiben wir als Abteilungsleitung voll verantwortlich im Amt.

Aber Sie haben eine Lösung gefunden.
Sabus: Ja. Da wir unseren Nachfolgern nicht schon alles vorgeben und einen Übergang nicht abrupt während der Saison vollziehen wollten, haben wir uns gemeinsam mit dem Hauptverein dazu entschlossen, ein Nachfolgeteam schon jetzt als Beisitzer in die Abteilung mit aufzunehmen und es in den nächsten Wochen und Monaten in die Abteilungsarbeit einzuweisen. Dieses Team stellt dann natürlich auch die Empfehlung der Alt-Abteilungsleitung an die Abteilungsversammlung für die Wahl einer Nachfolge dar. Auf diese Weise kann das neue Team schon maßgeblich Einfluss auf wichtige anstehende Entscheidungen und den Kurs der nächsten Jahre nehmen.

Es gibt – wie zu hören war – nicht nur das Team Westphal/Fragner, das bereit ist, die Abteilungsleitung zu übernehmen. Wieso haben Sie sich für dieses Team entschieden?
Sabus: Es haben sich zwei Teams mit einem Konzept beworben, und wir haben uns per Mehrheitsbeschluss für das Team entschieden, das unseren Kurs der letzten Jahre am besten fortführt, und auch gerade in den Bereichen Sponsoren, neue Medien – und damit auch Außendarstellung – neue Impulse in Richtung einer realistischen Weiterentwicklung setzen kann.

Herr Westphal, Herr Fragner, wieso wollen Sie die Abteilungsleitung übernehmen?
Christian Fragner: Ich war Jugend- und Seniorenspieler und bin seit Jahren Sponsor. Als ich gehört habe, dass Rainier und sein Team nicht mehr antreten, habe ich mich umgehört und ein starkes Team geformt. Nun möchte ich mit der Ausübung dieses Amtes meine Liebe und Verbundenheit zum Verein zeigen.
Michael Westphal: Ich war dem Verein immer schon verbunden, als einer der ersten Stadionsprecher in den 80er-Jahren bis aktuell als Sponsor. Mit Christian bin ich seit meiner Kindheit befreundet, und das Erdinger Eishockey war schon immer ein Gesprächsthema zwischen uns. Mit Mitte Fünfzig sind wir im richtigen Alter und haben auch die nötige Erfahrung. Ich glaube, dass wir das Erdinger Eishockey verantwortungsvoll führen und rasch weiterentwickeln können. Erding soll wieder eine Eishockey-Stadt werden.

Rainier Sabus hat Ihr Konzept gelobt. Wie sieht es aus?
Westphal: Unser Hauptfokus liegt auf der Nachwuchsarbeit. Zum anderen muss die erste Mannschaft weiterentwickelt werden. Als Ziel, wenn Corona überwunden ist, haben wir den Aufstieg in die Oberliga im Visier. Mit dem neuen Stadion, mit den neuen Möglichkeiten, da gibt es enorm viel zu tun. Wir müssen zunächst mit allen Beteiligten sprechen, denn diese Dinge kann man nicht alleine stemmen. Wir brauchen jeden, der uns unterstützen kann.

Oberliga ist eine mutige Aussage. Soll der Aufstieg schon in der kommenden Saison angegriffen werden?
Westphal: Ja, sofern wir die Mittel dazu haben. Das werden die nächsten Monate Inventurarbeit ergeben. Das entscheiden wir auch nicht alleine. Viele Menschen müssen und werden wir da bei der Entscheidungsfindung mit einbeziehen – und vor allem müssen wir die Spieler mitnehmen. Die müssen das alle wollen – und ein längerer Verbleib in der Oberliga muss absehbar sein.

Besteht da nicht die Gefahr, dass der Nachwuchs zu kurz kommt?
Westphal: Ich habe den Nachwuchs bei der Frage nach unserem Konzept bewusst als Erstes genannt. Natürlich ist der Nachwuchs das Wichtigste. Wir wollen zunächst unbedingt versuchen, mehr Eiszeit für den Nachwuchs zu bekommen. Außerdem müssen wir unter allen Umständen den Schwund an Nachwuchsspielern stoppen. Wir haben in der Vergangenheit einen enorm großen Aderlass erlitten. Das ist fatal. Uns ist klar: Wir brauchen Nachwuchsspieler. Uns ist auch klar: Es werden in den nächsten zwei bis drei Jahren große Lücken in der Seniorenmannschaft entstehen, wenn die arrivierten Spieler nach und nach aufhören. Zum Schließen dieser Lücken brauchen wir dringend den Nachwuchs. Wir können diese nicht einfach nur mit zugekauften Spielern schließen.

Was wollen Sie in Richtung Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung der sozialen Medien und so weiter tun? Da gab es ja zuletzt Kritik vonseiten der Fans.
Westphal: In Sachen Kommunikation ist noch Luft nach oben. Wir werden die Online-Kommunikation stark intensivieren. Homepage, Newsletter und Social Media müssen zum Handwerkszeug gehören. Auch im Stadion wollen wir mehr bieten. Livestreaming oder später mal Stadion-TV, zwei Bereiche aus meinem Berufsalltag. Dank der Vorarbeit der jetzigen Abteilungsleitung verfügen wir über eine sehr starke Internetleitung und ein TSV-eigenes Netzwerk im Stadion. Für den Zuschauer vor Ort soll es weitere Erlebnismöglichkeiten geben. Es soll noch mehr Spaß machen, ins Stadion zu gehen. Ziel ist eine volle Hütte.

Fragner: Mein Leben ist die Veranstaltung von Events, und Eishockey in Erding soll ein Vergnügen für die ganze Familie sein. Ich behaupte, dass im Landkreis 3000 bis 4000 Menschen am Erdinger Eishockey sehr interessiert sind. Das hat man ja damals in den Landesliga-Playoffs gegen Passau gesehen, als das Stadion mit 2500 Zuschauern fast ausverkauft war. Ein Riesenpotenzial.

Herr Sabus, wie sieht denn jetzt konkret der Zeitplan der nächsten Wochen aus?
Sabus: Sobald der Lockdown in Richtung Sporttreiben gelockert wird, müssen die Gladiators in allen Altersklassen wieder ein Training anbieten, dazu müssen Trainingsstandorte, -zeiten und Trainer vertraglich verpflichtet werden. Das sind die wichtigsten Schritte in den nächsten Wochen. Parallel dazu muss auch wieder ein Trainer für die erste Mannschaft verpflichtet werden, damit dann ein Kader für die neue Saison entwickelt und ebenfalls verpflichtet werden kann. Alles natürlich mit einem Blick auf die Corona-Situation, soweit sich das jetzt schon abschätzen lässt.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe in der Übergangszeit?
Sabus: Selbstverständlich stehe ich noch bis zur Wahl eines Nachfolgers voll im Dienst der Abteilung und danach auch noch bis zur vollständigen Übergabe aller Geschäfte den Nachfolgern zur Verfügung. Aber dann freue ich mich auch schon, nach sechs Jahren den Halbtagsjob – wenn es reicht – eines Abteilungsleiters an den Nagel hängen zu können und wieder mehr Zeit für meine Hobbys wie das Holzwerken zu haben.

Herr Westphal, wann greifen Sie und Ihr Team an?
Westphal: Mit dem Hauptverein ist alles geregelt, mit der Abteilungsleitung sowieso. Das heißt, wir sind ab sofort befugt, handlungsfähig und haben mit der Arbeit auch schon begonnen.

Das Interview führte Wolfgang Krzizok.

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